Der Verein

Wir über uns

Paderborn, ein Ort im südlichen Ostwestfalen. Schwarz, schwärzer, Paderborn. Ein Ort in der Mitte von nirgendwo, Synonym für Provinz und Gegenteil von Großstadt. Diese Klitschees und Vorurteile über Paderborn sind weit verbreitet. Das Einzigste, was daran stimmt, ist, dass in Paderborn vieles anders ist. Paderborn ist eine junge Stadt. Jeder dritte Einwohner ist jünger als 25 Jahre. Paderborn ist eine Universitätstadt mit über 25.000 Studenten, 183 Nationalitäten, dem größten Computermuseum der Welt, einem Flughafen und natürlich dem Dom. Das jährliche Highlight ist das Libori – Fest.

Paderborn und die Aleviten haben eine Gemeinsamkeit: auch die Aleviten wurden einst mit vielen vorurteilen konfrontiert. Aufgrunddessen waren Aleviten über jahrhunderte hinweg einer Verleumdungs- und Verfolgungspolitik ausgesetzt. Will man das Alevitentum, welches auf eine über tausendjährige Geschichte zurückblickt, in einem Satz beschreiben, so ist es Liebe und der Respekt gegenüber allen Menschen, die diesen Glaubensweg ausmachen. Es ist die Religion der Toleranz.

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Okunacak en büyük Kitap insandir. – Das großartigste Buch, welches zu lesen gilt, ist der Mensch.

Der Begriff Alevi geht auf den Heiligen Ali, den Schwiegersohn des Heiligen Propheten Mohammed zurück. In Deutschland wird die Zahl der Aleviten auf ca. 700.000 geschätzt, in der Türkei machen sie etwa 1/3 der Bevölkerung aus. Aleviten glauben an den einen und einzigen Gott (Allah/Hak). Gott ist für Aleviten der Schöpfer, der Gerechte, der Allgegenwärtige und der Weise, wobei diese Aufzählung nicht vollständig ist. Nach dem Glauben der Aleviten wollte Gott durch die Schöpfung sein Geheimnis offenbaren. Gott lässt alle Lebewesen an sich Anteil haben.

Her ne varsa bu alemde, Hepsi Mevcüttür Ademde

All das, was es in dem Universum gibt, ist verfügbar in Adam (Mensch)

Aleviten glauben an die heilige Kraft des Schöpfers, die vor allem durch Muhammed und seinen Schwiegersohn, Ali, sowie durch dessen Nachkommen, die 12 Imame bis heute an die Mensch weitergegeben wird. Nach alevitischen Verständnis ist der Mensch, sei er Alevit, Christ, Sunnit, Frau oder Mann, die heilige Kraft. Nach diesem Verständnis ist der Mensch das vollkommenste und schönste Lebewesen im Universum, auch wenn die Menschen diese Eigenschaften durch äußere Einflüsse verlieren können.

Für Aleviten beinhaltet die heilige Kraft auch den Verstand, der ermöglicht, dass die Menschen Gott und seinen Willen erkennen. Somit ist jeder Mensch ist jeder Mensch für seine Lebensführung verantwortlich. Scheitern und Leid ist nichts auf Gottes Willen zurückzuführen, sondern entsteht durch menschliches Fehlverhalten. Der Glaube an die heilige Kraft fordert von jedem Menschen ein aktives Bemühen um persönliche Vervollkommung. Die Reise, die der Mensch zur aktives Bemühen um persönliche Vervollkommnung. Die Reise, die der Mensch zur Vervollkommnung antretet, ist nicht der Weg in die Wüste, sondern in dein Inneres.

Her ne ararsan kendinde ara, Mekke de Kaba da degil.

Was du suchst, suche an dir, nicht in Mekka nicht in Kaba

Der alevitische Weg führt durch vier Tore, für die jeweils zehn Stufen gelten. Ein wesentlicher Teil dieser Stufen im Alevitentum ist der Bestandteil allgemein gültiger Tugenden, die in der Erziehung und Bildung als Richtziele vorgeschrieben sind: z.B. das Lernen, die Fürsorge für andere zeigen, die Natur lieben und schützen, Gutes wollen und tun, das eigene Ego beherrschen und bekämpfen, gerecht sein, alle Menschen gleich betrachten und die Wahrheit frei aussprechen. Es ist für die Gläubigen eine lebenslange Aufgabe, das Einvernehmen in der Gemeinde sicherzustellen. Nach dem alevitischen Glaubensverständnis kann es ohne Gemeinschaft unter den Menschen keine Gemeinschaft mit Gott geben.

Nach alevitischen Glauben hat Gott alle Menschen als gleichwertig erschaffen. Es gibt keinen Grund und keine rechtliche oder religiöse Grundlage für Ungleichbehandlung. Die alevitischen Familien erziehen ihre Töchter und Söhne zur Gleichberechtigung. Heute arbeiten alevitische Frauen verantwortungsvoll in jedem Lebensbereich. Dazu ist es unbedingt notwendig, dass das Bildungsniveau alevitischer Mädchen angehoben wird und die Frauen sich am Berufsleben beteiligen.

Traditionell haben die Aleviten es als Sünde angesehen, sich an Gütern oder Geld zu bereichern, die durch nicht eigenen Fleiß erworben wurden. Die Ethik ist auf Ausgleich ausgerichtet. Solidarischer Umgang mit Mitmenschen ist ein hoher Wert.

Tanri dünyayi yaratti
Ve insanlari verdi ise
Dünyanin topragi ve
Bu topragin bütün ürünleri
Insanlarin ortak malidir.

Wenn Gott das Reich erschaffen hat
Und die Menschen erschaffen hat,
Dann ist die Erde des Reiches und
Alle Früchte der Erde das Gemeinsame Gut
Der Menschheit

Wie aus den bisherigen Ausführungen unschwer zu erkennen ist, fügt sich die alevitische Glaubensgemeinschaft ohne Probleme ist eine demokratische Gesellschaft ein. Wir Aleviten hatten erst hier in Deutschland die Möglichkeit, unseren Glauben auszuleben und somit religionsfreiheit zu genießen. Deutschland ist für uns der Ort der Freiheit und somit unsere neue Heimat geworden. Insbesondere ist für uns die Freiheitlich - demokratische Grundordnung sehr Bedeutsam.

Alevitische Vereine und Gemeinden sind ein deutsches Phänomen, denn sie haben sich hier in Deutschland gegründet ohne Vorläuferstrukturen in der Türkei. Anfang der 80er Jahre haben sich die ersten vereine hier in Deutschland organisiert, Viele Vereine haben ohne jegliche Unterstützung des Staates mit eigenen Mitteln und Ressourcen eigene Vereinshäuser gekauft, so auch der Alevitische Kulturverein letztes Jahr.

Der alevitische Kulturverein Paderborn wurde im Jahr 1995 gegründet. Derzeigt sind 96 Familien in unserem Verein Mitglied. Der alevitische Kulturverein ist eine Selbstorganisation, die von den alevitischen Mitgliedern getragen wird und vornehmlich die gelungene Integration und Partizipation der Menscne mit Migrationshintergrund in die Mehrheitsgesellschaft anviert. Die gegenseitige Akzeptanz und Toleranz, der verschiedene Kulturen ist das Fundament einer demokratischen Gesellschaft, in der interkulturellen und interreligiösen Austausch in der Gesellschaft vorantreibenund den Gedanken der Völkerverständigung ausleben. Wir streben nach Chancengleichheit und die gleichberechtigte Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen an und treten dafür ein, dass die Mitglieder sich politisch engagieren.

In unserem Verein werden Angebote der sozialen und politischen Bildung gemacht, wie etwa Diskussionsabende über die Gesellschaft und aktuelle Themen, Ausflüge und Exkursionen.

Unsere Mitglieder zeigen Engagement für den interkulturellen und interreligiösen Dialog durch aktive Teilnahme an Stadtfesten wie Spiel – und Sportfest, Internationaler Fest der Begegnung, an der 1. Mai Kundgebung oder auch am internationalen Frauentag, Teilnahme an der Menschenkette vom Forum der Religionen. Geplant ist, an dem Projekt Telli Kuran erfolgreich mit.

In unserem Verein geben wir  aber auch Traditionen weiter. Ein Berühmter Philisoph sagte, Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das weitergeben der Flamme. So definieren wir Alevitenm das Weitergeben unserer Werte. Denn wir möchten das Alevitentum, welches Jahrhunderte lang tot geschwiegen wurde, wiederbeleben.

Neben religiösen Aktivitäten, wie u.a. die Cem- Zeremonie, der Asure Tag und das gemeinsame Fasten im Monat Muharrem, werden Kulturelle Aktivitäten, wie Kurse zur musikalischen, tänzerischen und künstlerischen Bildung für Kinder und Jugendliche organisiert, Dazu gehören Folklore- und Semahkurse, Sazkurse und unser Frauenchor. Daneben bietet der Verein Angebote der Freizeitgestaltung, wie Fußballturniere, Kinoabende, Grillabende und Halaypartys.

Wie wir sehen ist Vereinsarbeit nicht nur das Zusammenkommen von Menschen denn überall dort, wo der Staat Menschen nicht zusammenführen kann, entsteht Vereinsarbeit und Vereinslaben. Wir können stolz zurückblicken. Es ist anerkennenswert, mit welchem Engagement und mit welcher Kraft, auch unsere Mitglieder ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen, denn nahezu alle Vereinsfunktionäre arbeiten ehrenamtlich und investieren sehr viel Zeit. Dieser Idealismus und die Einsatzbereitschaft verdient insbesondere in unserer heutigen Zeit sehr viel Anerkennung, Danke. Theodor Heuss sagte mal: „Was einer für sich selbst tut, mag nicht viel zählen, jedoch mehr zählt, was man für die anderen getan getan hat.“ In diesem Zusammenhang möchten wir uns bei unseren engagierten Mitgliedern, Kooperationspartnern und den Organisationen, Einrichtungen, die uns unterstützen bedanken.

Handlungsfelder der Alevitischen Gemeinschaft Paderborn e.V.

In so einer komplexen Einrichtung, wie die Alevitische Gemeinde Paderborn gibt es verschiedene pädagogische Handlungsfelder. Um diese etwas einzugrenzen sollen an dieser Stelle die wichtigsten dargestellt werden.

  • Gemeindearbeit: Cem-Zeremonien, Religiöse-Veranstaltungen, Muharrem- u. Hizirfasten, Opferfest, Newruzfest
  • Politische Bildung: Demokratieerziehung, Integration
  • Fortbildungen: Management, Vereinsleben, Leitung, Rhetorik
  • Kurse: Baglama, Tanz, Nachhilfe, Theater, Chor, Malen
  • Stadtteilarbeit: Internationaleres Fest der Begegnung,Spiel und Sportfest Kreisfamilientag
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Sozialberatung
  • Kinder- und Jugendarbeit
  • Seniorenarbeit
  • Frauenarbeit
  • Interkulturelle Arbeit: Konzerte, Konferenzen, Sitzungen
  • Themenbezogene Bildung: Umwelt, Gesundheit, Kinder-Erziehung, Seniorenberatung, Schulwesen, Integration
  • Seminare für Erwachsene und Jugendliche
  • Religiöse Bildung: Theologie, Religionssoziologie, Symbolik, Terminologie, Philosophische - & Geschichtsthemen

Die Förderung und Unterstützung der Mitgliedsfamilien in beruflicher, sozialer und politischer Hinsicht ist für die alevitische Gemeinschaft ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt.

Wir engagieren uns, um…

  • Förderung von Toleranz und internationaler Verständigung, Förderung des Zusammenlebens von Einwanderern und Einheimischen und der Völkerverständigung,
  • Förderung von Erziehung und Bildung bei Kindern, Jugendlichen und Eltern
  • Förderung von Integration und Teilhabe von Einwandererfamilien
  • Förderung der Kinder-Jugendhilfe und Altenhilfe, der interkulturellen Kunst- und Kulturarbeit und der Behindertenhilfe
  • Förderung des bürgerschaftlichen Engagements insbesondere bei Einwandererfamilien zugunsten gemeinnütziger, mildtätiger und religiöser Zwecke
  • Der Verein setzt sich ein für die Befriedigung der religiösen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse seiner Mitglieder und bemüht sich um die Integration der Aleviten in die deutsche Gesellschaft unter Bewahrung alevitischer Glaubensidentität und Kultur.
  • Der Verein engagiert sich gegen jede Form von Diskriminierung - insbesondere gegen ethnische und religiöse Diskriminierung - und setzt sich ein für die von Diskriminierung Betroffenen.

Der Vorstand koordiniert und steuert die Arbeit der Alevitische Gemeinde Paderborn e.V.

Vorstand

1. Vorsitzender 
Sevda Dogan

2. Vorsitzender - Schriftführer
Ahmet Bezo

Generalsekretär
Hüseyin Tosun

Kassenwart
Cem Tosun

Frauenbeauftragte
Sultan Özbük

Seniorenbeauftragte
Sultan Özbük

Öffentlichkeitsarbeit
Sevda Dogan

Geistlicher-Seelsorgebeauftragter
Abbas Tosun
Hüseyin Tosun

Jugendbeauftragte
Cem Tosun
Merdan Aydin

Beisitzer
Gazi Kilicaslan
Ismail Karaduman
Sahin Kavlak